Daniela Dröscher · Marlen Hobrack
  • Daniela Dröscher © Heike Bogenberger
  • Marlen Hobrack © Marcus Engler

Moderation: Miriam Zeh (DLF)

Was vererben Mütter ihren Töchtern, wenn es für Eigenheim und Aktiendepot nie gereicht hat? Und was, wenn die Hinterlassenschaft zur Last wird, unter der die eigene Existenz zu ersticken droht? Wie sich den Fängen von Herkunft und Prägung entziehen? Und wie von etwas derart Intimem erzählen, ohne indiskret zu werden?

„Dieses Buch ist Verrat“, schreibt Marlen Hobrack. Aber Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt ist noch weitaus mehr. Es ist eine sensible Annährung, die ohne Verklärung und Idealisierung auskommt. Wir lesen von einer Frau, die die Erfahrung realsozialistischer Mangelwirtschaft nach der Wende durch maßlosen Konsum zu kompensieren versuchte. Ihre Wohnung eine Ansammlung von Krempel, den die Tochter nach dem Tod der Mutter sortiert und ausmistet – und dabei gleichsam auch ihre widerstreitenden Gedanken und Gefühle in Bezug auf die Verstorbene ordnet.

Ein Dorf im Hunsrück, die spießigen 1980er Jahre: Daniela Dröschers Roman Lügen über meine Mutter handelt davon, wie der Vater im Übergewicht seiner Frau die Ursache allen Unglücks ausmacht. Und wie die Mutter seine jahrelangen Anfeindungen und Erniedrigungen meist schweigend erträgt. Ein Schweigen, gegen das sich die Tochter auflehnt, indem sie zum Sprechen findet, aller Scham und allen Zweifeln zum Trotz. Denn: „Erst spät verstand ich, dass meine Mutter an mich weitergab, was sie selbst erfahren hatte.“

***Die Veranstaltung ist ausgebucht!***

Daniela Dröscher, geboren 1977 in München und aufgewachsen im Hunsrück, promovierte im Fach Medienwissenschaft und erhielt ein Diplom für Szenisches Schreiben an der Universität Graz. Sie schreibt Prosa, Essays und Theaterstücke zu Themen wie Herkunft, Familie und Sprache. 2009 erschien ihr Debütroman Die Lichter des George Psalmanazar. Ihr autofiktionaler Roman Lügen über meine Mutter stand 2022 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Zuletzt erschienen 2025 Junge Frau mit Katze und im Frühjahr 2026 der Essay Sprechen. Daniela Dröscher wurde unter anderem mit dem Anna-Seghers-Preis sowie dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet. Daniela Dröscher lebt in Berlin.

Marlen Hobrack, geboren 1986 in Bautzen, schreibt als Journalistin unter anderem für den Freitag, die Zeit und die taz. Zu ihren Themen zählen Klassismus, Feminismus und Ostdeutschland. 2022 erschien ihr Sachbuch Klassenbeste. Was von der Arbeit meiner Mutter bleibt, im darauffolgenden Jahr ihr Debütroman Schrödingers Grrrl. Zuletzt erschienen 2024 der Essay Klassismus sowie Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt. Marlen Hobrack wurde mit dem Jörg-Henle-Preis für Literaturkritik sowie dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet. Sie lebt in Leipzig.

Miriam Zeh, geboren 1988 in Hamburg, ist Literaturredakteurin bei Deutschlandfunk Kultur.

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