Moderation: Jan Wiele (F.A.Z.)
Ulrike Draesner und Annett Gröschner verweigern sich konsequent allen Schubladen. Sie schreiben Romane, Gedichte, Epen, spielerische Experimente mit Sprache – und dann wieder ganz prosaisch über Menschen und Orte. Gemeinsam ist ihnen der geschärfte Sinn für Stimmen und Stimmungen. Immer wieder sind es Frauenschicksale, oft mit Bezug zur eigenen Familiengeschichte, um die ihre Erzählungen kreisen. Dabei folgen wir Ulrike Draesner in Sieben Sprünge vom Rand der Welt bis nach Schlesien, während Annett Gröschner Madgeburg auf die literarische Landkarte gesetzt hat. Ihr meisterhafter Roman Schwebende Lasten, der auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2025 stand, führt anhand der Lebensgeschichte einer Kranfahrerin das Wüten des 20. Jahrhunderts vor Augen. „Eine Alternativgeschichte der DDR aus weiblicher Sicht“, so Sabine Rennefanz im Spiegel. Ulrike Draesner veröffentlichte im selben Jahr mit penelopes sch( )iff eine Neudichtung der Odyssee aus der Perspektive der Titelheldin. Entstanden ist dabei ein unverschämt feministisches Sprachkunstwerk. Mit Jan Wiele, Redakteur im Feuilleton der F.A.Z., sprechen beide Autorinnen über Zwänge und Möglichkeiten der Selbstermächtigung in Ost und West sowie die oft im Verborgenen wirkenden Kräfte biografischer und gesellschaftlicher Veränderungen.
***Die Veranstaltung ist ausgebucht!***
Ulrike Draesner, geboren 1962 in München, ist Schriftstellerin. 1995 erschien ihr erstes Buch gedächtnisschleifen. Ihm folgten seither im Wechsel Romane, Erzählbände, Essays und Poesie. Ihr Roman Die Verwandelten war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Zuletzt erschien 2025 penelopes sch( )iff. Nach verschiedenen internationalen Gastdozenturen und Poetikvorlesungen ist Ulrike Draesner seit April 2018 Professorin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2021 erhielt sie den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds für ihr Gesamtwerk, 2024 den Literaturpreis der Konrad-Adenauer Stiftung. Ulrike Draesner lebt in München.
Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, ist freie Schriftstellerin und schreibt als Journalistin unter anderem für den Freitag und die taz. Zu ihren ersten Romanen zählen Moskauer Eis und Walpurgistag. 2024 veröffentlichte sie gemeinsam mit Peggy Mädler und Wenke Seemann den Bestseller Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat. Für ihren jüngsten Roman Schwebende Lasten war sie 2025 für den Deutschen Buchpreis nominiert. 2021 erhielt sie den Großen Kunstpreis Berlin (Fontanepreis) und den Klopstock-Preis des Landes Sachsen-Anhalt, 2024 und 2025 folgten das Stipendium des Deutschen Literaturfonds und das Mainzer Stadtschreiberstipendium. Annett Gröschner lebt in Berlin.
Jan Wiele, geboren 1978 in Herford, ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit den Schwerpunkten Literatur und Popmusik.

