Lukas Rietzschel · Simon Strauß
  • Lukas Rietzschel © Alexandra Polina
  • Simon Strauß

Moderation: Daniel Frisch

Manche erfundenen Orte erscheinen wirklicher als solche, die auf Landkarten verzeichnet sind. Sanditz ist eine fiktive Kleinstadt in der Lausitz, im Braunkohlerevier an der polnischen Grenze gelegen. Hier folgt Lukas Rietzschel in seinem gleichnamigen Roman den Geschicken der Familie Wenzel quer durch die Jahrzehnte, von den beschaulichen 1970er Jahren über die turbulente Wendezeit bis hinein in die Corona-Gegenwart. Und hier, im Nahbereich des Alltäglichen, weit weg von den großen Zentren und Metropolen, entfaltet sich eine so meisterhafte wie genaue Erzählung über ostdeutsche Erfahrungswelten. „Wer Sanditz liest, bekommt Ostdeutschland nicht erklärt, aber sehr genau erzählt.“ (NDR)

Genau hinschauen, beobachten, zuhören – dieser Devise folgt auch Simon Strauß‘ Reportage-Essay In der Nähe, für den sich der Journalist und Schriftsteller an den Ort begeben hat, unweit dessen er aufgewachsen ist. In der ganz realen Kreisstadt Prenzlau spricht er mit den verschiedensten Menschen, mit dem Bürgermeister, der Kita-Leiterin, dem syrischen Geflüchteten, dem Oberstleutnant, dem AfD-Lokalpolitiker. Gesellschaftliche Verwerfungen und Konflikte zeigen sich in der uckermärkischen Provinz wie unter einem Brennglas, die Vergangenheit ist eine schwelende Wunde, aus der Enttäuschung und Ressentiment erwachsen – aber auch die Sehnsucht nach einer verloren geglaubten Gemeinschaft.

***Die Veranstaltung ist ausgebucht!***

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Sachsen, ist Schriftsteller und Dramatiker. Er studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Kulturmanagement. Sein 2018 erschienener Debütroman Mit der Faust in die Welt schlagen war ein Bestseller und wurde 2025 von Constanze Klaue verfilmt. 2021 folgte der Roman Raumfahrer. Zuletzt erschien Anfang 2026 Sanditz. Lukas Rietzschels Romane und Theaterstücke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Gellert-Preis, dem Sächsischen Literaturpreis und dem Literaturpreis Text & Sprache.

Simon Strauß, geboren 1988 in Westberlin, ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er vor allem über das Theater scheibt, und Autor mehrerer Romane, darunter Sieben NächteRömische Tage und Zu Zweit. 2025 erschien sein erstes Sachbuch mit dem Titel In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht, dem die sechsteilige Reportageserie „Schaut auf diese Stadt“ über Penzlau vorausging. Simon Strauß lebt in Berlin und in der Uckermark.

Daniel Frisch, geboren in Karl-Marx-Stadt, hat in Greifswald und Aberdeen studiert und arbeitet als Lektor für deutsche Literatur im Steidl Verlag.

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