Moderation: Sandra Kegel (F.A.Z.)
Wie tief autoritäre Denk- und Verhaltensmuster reichen können, wie sie sich in Skepsis gegenüber liberalen Institutionen, in Sehnsucht nach Ordnung oder in der nachträglichen Romantisierung der DDR niederschlagen, dies beleuchten die Werke Anne Raabes und Ilko-Sascha Kowalczuks.
Anne Rabe nähert sich diesen Fragen aus literarischer Perspektive. Ihr Romandebüt Die Möglichkeit von Glück wurde vor drei Jahren zum Bestseller und stand auf der Shortlist des deutschen Buchpreises. Schonungslos zeigt er, wie Gewalt, Einschüchterung und Schweigen viele Familien und Erziehungseinrichtungen in der DDR prägten und bis heute fortwirken. Ihr neuestes Buch Das M-Wort. Gegen die Verachtung der Moral plädiert für die Rückkehr moralischer Grundsätze in den politischen Diskurs.
Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk ist einer der bekanntesten Experten zur Geschichte und Nachwirkung der DDR. Mit Freiheitsschock. Eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute verfasste er eine Streitschrift gegen verengende Opferdiskurse und geschichtsvergessene Demokratieverachtung. In Die neue Mauer. Ein Gespräch über den Osten setzt er sich mit Bodo Ramelow ausführlich über den Stand der innerdeutschen Beziehungen 35 Jahre nach dem Mauerfall auseinander. Eine Diskussion über die Gegenwart eines Landes, das seine Freiheit immer wieder neu definieren muss.
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Ilko-Sascha Kowalczuk, geboren 1967 in Ostberlin, wuchs bei sozialistischen Eltern auf und wurde dann zum Regimegegner. Heute ist er Publizist und einer der bekanntesten Historiker für DDR-Geschichte. Zu seinen Veröffentlichungen zählen mehrere Sachbücher, darunter Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR, Freiheitsschock. Eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute und Die neue Mauer. Ein Gespräch über den Osten, gemeinsam mit Bodo Ramelow. Große Beachtung fand auch seine Biografie Walter Ulbricht. Der kommunistische Diktator (1945–1973). Ilko-Sascha Kowalczuk lebt in Berlin.
Anne Rabe, geboren 1986 in Wismar, studierte an der Universität der Künste Berlin Szenisches Schreiben. Heute arbeitet sie als Drehbuchautorin, schreibt politische Essays und hält Vorträge zur Vergangenheitsbewältigung in Ostdeutschland. 2023 erschien ihr Debütroman Die Möglichkeit von Glück, der ihr Nominierungen für den aspekte-Literaturpreis und den Deutschen Buchpreis einbrachte. Zuletzt erschien 2025 der Essay Das M-Wort. Gegen die Verachtung der Moral. Anne Rabe lebt in Berlin.
Sandra Kegel, geboren 1970 in Frankfurt am Main, ist Literaturkritikerin und leitet das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie ist Mitglied mehrerer Literaturjurys und gehört zum Team der 3sat-Sendung „Buchzeit“.

