Moderation: Wiebke Porombka (DLF)
Christina bringt die musische Begabung für eine große Karriere mit. Auf einem Berliner Musikinternat und am Tschaikowski-Konservatorium in Moskau soll das junge Mädchen mittels Drill und Disziplin zu einer hervorragenden Pianistin geformt werden. Doch schon im Jahr 1985 endet das kurze Leben in einer Tragödie. Vierzig Jahre später ringt die 1993 geborene Schriftstellerin Helene Bukowski in Wer möchte nicht im Leben bleiben damit, dem realen Menschen und den historischen Begebenheiten gerecht zu werden, Christina nicht ein weiteres Mal zu vereinnahmen. Dabei ist ein Roman entstanden, der gerade in seiner tastenden Reflexivität von literarischer Wahrhaftigkeit zeugt.
Lochkarten und Landflucht gab es auch in der DDR und dies seit den frühen 1960ern, als die Kriegskindergeneration ins Leben aufbrach. Zu dieser gehört Georg, ein
Kybernetiker, der von einer sich selbstregulierenden Planwirtschaft träumt, und Mona, eine Bohemienne mit Freiheitsdrang. Auf ihren Datschen am Rand von Berlin finden sie einen fragilen Freiraum. Selbstregulierung des Herzens vermittelt sehr eindrücklich den inneren Zwiespalt der Menschen im Osten, die sich jeden Tag aufs Neue zwischen Integrität und Anpassung entscheiden mussten. Gewissenskonflikte, die bis in die Gegenwart hinein prägend sind.
Mit den Autorinnen spricht Wiebke Porombka, Literaturredakteurin beim Deutschlandfunk.
Helene Bukowski, geboren 1993 in Berlin, studierte am Literaturinstitut Hildesheim und arbeitet nun als freie Schriftstellerin und leitet Kurse und Workshops für Kreatives Schreiben. Ihr Romandebüt Milchzähne erschien 2019 und war unter anderem für den Mara-Cassens-Preis und den Rauriser Literaturpreis nominiert. 2022 folgte der Roman Die Kriegerin und zuletzt im Frühjahr 2026 Wer möchte nicht im Leben bleiben. Helene Bukowski lebt in Berlin und der Niederlausitz.
Peggy Mädler, geboren 1976 in Dresden, arbeitet als freie Autorin und als Dramaturgin deutschlandweit mit verschiedenen Theatern, Regisseur:innen und Performancegruppen zusammen. Ihr erster Roman Legende vom Glück des Menschen erschien 2011. Für Wohin wir gehen erhielt sie 2019 den Fontane-Literaturpreis der Fontanestadt Neuruppin und des Landes Brandenburg. 2024 veröffentlichte sie gemeinsam mit Annett Gröschner und Wenke Seemann den Bestseller Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat. Zuletzt erschien im Frühjahr 2026 ihr Roman Selbstregulierung des Herzens. Sie lebt in Berlin.
Wiebke Porombka, geboren 1977 in Bremen, ist Literaturredakteurin beim Deutschlandfunk und sitzt unter anderem in den Jurys des Bremer Literaturpreises und des Wilhelm-Raabe-Literaturpreises.

