Paula Fürstenberg · Franziska Hauser · Julia Wolf
  • Paula Fürstenberg © Jonas Ludwig Walter
  • Franziska Hauser © Martin Mosch
  • Julia Wolf © Franziska Rieder

Moderation: Bettina Baltschev (MDR)

Die Frauenfrage ist ein Dauerbrenner in der Ost-West-Debatte mit durchaus verhärteten Fronten. Hier die Mama mit Halbtagsjob, die vor dem abendlichen Beauvoir- Lesezirkel dem Gatten und den lieben Kleinen das Essen serviert (Blick Ost), dort Frau Genosse Kranführer, alleinerziehend mit Krippenkindern, denen Mutti vor dem Sandmännchen die Schnitten mit Wurst serviert (Blick West). Während im Westen der emanzipatorische Fortschritt eine Schnecke war, traf die Frauen im Osten die Wende besonders hart: Aus Werktätigen wurden Vorruheständlerinnen mit gebrochenem Stolz.

Wir fragen bei der nächsten Generation nach, wie sie es mit Ost-West hält: Julia Wolfs Prosaband Du, hier erzählt von „weiblichen Suchbewegungen zwischen Häuslichkeit und Rebellion“ (F.A.Z.) am Beispiel von Anfangvierzigerinnen, deren Leben Kipppunkte erreicht, die sie zwingen, ins Risiko zu gehen. In Franziska Hausers jüngstem Roman Am Ende der Kleinigkeiten tyrannisiert ein Paradebeispiel für regretting motherhood ihre Tochter in einer Post-Ost-Hippie-Kommune. Und auch Paula Fürstenbergs zweiter Roman Weltalltage folgt weiblichen Lebensentwürfen vor und nach der Wende und stellt die Gretchenfrage nach der literarischen Aneignung von Osterfahrung so: Wer darf wegen der Tomatensuppe heulen?

Paula Fürstenberg, geboren 1987 in Potsdam, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut sowie an der Humboldt-Universität. Sie ist Mitherausgeberin der Habitus-Bände bei Sukultur und hat 2022 die Veranstaltungsreihe „Let’s talk about class“ co-kuratiert. Außerdem ist sie Teil des Autor:innenkollektivs „Literatur für das, was passiert“. 2016 erschien ihr Romandebüt Familie der geflügelten Tiger, 2024 ihr zweiter Roman Weltalltage. Im Herbst erscheint Niewiedervereinigung. 100 Zwischenrufe zur deutschen Einheit. Für ihre Arbeit wurde Paula Fürstenberg mit zahlreichen Stipendien ausgezeichnet. Sie lebt in Berlin.

Franziska Hauser, geboren 1975 in Ostberlin, hat zunächst als Fotografin und später auch als Autorin für diverse Magazine gearbeitet. 2015 ist ihr Debütroman Sommerdreieck erschienen, es folgte 2018 Die Gewitterschwimmerin, nominiert für den Deutschen Buchpreis. Nach ihren Romanen Die Glasschwestern und Keine von ihnen gab sie 2025 zusammen mit Maren Wurster die Anthologie Ost*West*frau* heraus. Ihr jüngster Roman Am Ende der Kleinigkeiten erschien Anfang 2026. Franziska Hauser lebt in Berlin.

Julia Wolf, geboren 1980 in Groß-Gerau, ist Übersetzerin und Schriftstellerin. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem 3sat- und dem Robert-Gernhardt-Preis. Ihr Roman Walter Nowak bleibt liegen stand 2017 auf der Longlist für Deutschen Buchpreis, 2025 war sie für ihre Übersetzung von Samantha Harveys Umlaufbahnen für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. 2022 erschien Alte Mädchen und 2023 der Kollektivroman Wir kommen, den sie zusammen mit Elisabeth R. Hager und Verena Güntner konzipiert und herausgegeben hat. Zuletzt erschien im Frühjahr 2026 der Erzählband Du, hier. Julia Wolf lebt in Berlin.

Bettina Baltschev, geboren 1973 in Ostberlin, ist Redakteurin beim MDR, Autorin und Geschäftsführerin des Sächsischen Literaturrats.

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