Moderation: Gregor Dotzauer (Tagesspiegel)
Ein großer ungarischer Schriftsteller, ein Berliner Dichter und Essayist mit Zweitwohnsitz in Rom und der Herausgeber des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung debattieren darüber, was sich aus den geistigen und politischen Konstellationen des gegenwärtigen Europas über Ostdeutschland lernen lässt. Welche Gemengelage hat sich zwischen Postkommunismus und Postliberalismus ergeben? Dabei wird auch über Europa als kulturelle Vision versus politisch-ökonomische Realität zu sprechen sein. Denn so sehr etwa die jüngsten Bilder aus Budapest nach dem Wahlsieg Péter Magyars Hoffnung auf eine dauerhafte Abkehr von Autoritarismus und Nationalismus nähren, so spürbar bleibt die Enttäuschung über den mühsamen Aufbruch in Richtung Westen, der viele illiberale Tendenzen gestärkt hat. Und die alten europäischen Kernstaaten im Westen werden von umgekehrten Entfremdungsgefühlen erfasst.
Was aber bleibt von der emphatischen Idee eines vereinigten Europas, wenn sie in Konkurrenz zu nationalen Narrativen tritt, die den Kommunismus überdauert zu haben scheinen? Mit Péter Nádas, Durs Grünbein und Jürgen Kaube haben wir drei eminente Stimmen unserer Zeit eingeladen, um einen Blick über den deutschen Tellerrand hinaus zu wagen. Das Gespräch moderiert Gregor Dotzauer, Kulturredakteur des Berliner Tagesspiegels.
***Die Veranstaltung ist ausgebucht!***
Durs Grünbein, geboren 1962 in Dresden, ist Dichter, Essayist und Übersetzer. Er debütierte 1988 mit dem Band Grauzone morgens und gilt heute als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker der Gegenwart. Seine zahlreichen Gedichtbände werden international wahrgenommen und gewürdigt. Für sein Werk erhielt er eine Vielzahl von Preisen, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Peter-Huchel-Preis und den Friedrich-Hölderlin-Preis. Zuletzt veröffentlichte er den Gedichtband Äquidistanz und den Roman Der Komet. Durs Grünbein lebt in Berlin und Rom.
Jürgen Kaube, geboren 1962 in Worms, ist Journalist und Publizist und seit 2015 Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 2015 wurde er mit dem Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet. Er ist Autor mehrerer Sachbücher, darunter Max Weber. Ein Leben zwischen den Epochen, Die Anfänge von allem und Die gespaltene Gesellschaft, zusammen mit André Kieserling. Für Hegels Welt erhielt er den Deutschen Sachbuchpreis 2021.
Péter Nádas, geboren 1942 in Budapest, ist Fotograf und Schriftsteller. Bis 1977 verhinderte die ungarische Zensur das Erscheinen seines ersten Romans Ende eines Familienromans. Buch der Erinnerung, sein bedeutendster Roman, erschien 1986 und erhielt zahlreiche internationale Literaturpreise. Zuletzt erschienen der große Roman Parallelgeschichten, seine Memoiren eines Erzählers Aufleuchtende Details und der Roman Schauergeschichten. Péter Nádas wurde unter anderem mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur, dem Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung und dem Franz-Kafka-Literaturpreis ausgezeichnet. 2014 wurde ihm der Würth-Preis für Europäische Literatur verliehen. Péter Nádas lebt in Gombosszeg in Ungarn.
Gregor Dotzauer, geboren 1962 in Bayreuth, ist Redakteur für Sachbücher beim Berliner Tagesspiegel, Moderator von Literaturveranstaltungen und Autor zahlreicher Essays. Zuletzt erschien 2022 der Band Schläft ein Lied in allen Dingen. Über Musik, Moment und Erinnerung.


