Moderation: Christoph Schröder (SWR)
Zwei Autorinnen, die schon seit vielen Jahrzehnten Leben in Literatur gießen, aber erst spät die verdiente Anerkennung fanden. Was ihre Texte verbindet, ist ein präziser, unaufgeregter Ton, der das Persönliche nie vom Politischen trennt. Beide schreiben aus einer biografischen Spannung heraus: zwischen Systemen, Sprachen, Rollenbildern.
Helga Schubert, 1940 in Berlin geboren, war in der DDR Psychotherapeutin und Schriftstellerin. Als stets engagierte Stimme war sie Schikanen und Observierungen ausgesetzt. 2020 wurde sie mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis neu entdeckt. In ihrem jüngsten Buch Luft zum Leben. Geschichten vom Übergang versammelt sie Texte aus 65 Jahren. Lakonisch und mit scharfem Blick beschreibt sie darin, wie politische Zäsuren in die intimsten Schichten des Lebens hineinwirken und wie unbeugsame Zuversicht einen Weg durch die Zumutungen der Zeit weist.
Auch Sylvie Schenks Werk speist sich aus gelebter Erfahrung zwischen zwei Ländern. Die 1944 in Frankreich geborene Autorin lebt seit 1966 in Deutschland und schreibt seit über 30 Jahren auf Deutsch. Ihr jüngster Roman In Erwartung eines Glücks handelt von Brüchen und Neuanfängen, vor denen man auch im Alter nicht verschont bleibt: Mit viel (Selbst-)Ironie geht ihre Protagonistin Irène während eines Klinikaufenthalts dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem nie ganz greifbaren Glück auf den Grund. Über die stille Intensität literarischer Selbstermächtigung.
***Die Veranstaltung ist ausgebucht!***
Sylvie Schenk, geboren 1944 im französischen Chambéry, lebt seit 1966 in Deutschland. Sie veröffentlichte Lyrik auf Französisch und schreibt seit 1992 auf Deutsch. 2016 wurde las sie einen Auszug aus ihrem autofiktionalen Roman Schnell, dein Leben beim Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert. 2023 stand sie mit ihrem Roman Maman auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Schenk lebt in Stolberg bei Aachen und La Roche-de-Rame, Hautes Alpes.
Helga Schubert, geboren 1940 in Berlin, ist Psychologin und Schriftstellerin. 1975 erschien ihr Debüt, der Erzählband Lauter Leben. Neben Kinderbüchern, Theaterstücken und Hörspielen verfasste sie weitere Erzählbände. Anfang der 1990er Jahre machte sie sich vor allem durch ihr dokumentarisches Werk Judasfrauen einen Namen. Für die Geschichte Vom Aufstehen wurde ihr nach längerem Rückzug aus der literarischen Öffentlichkeit der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen. Helga Schubert lebt bei Schwerin.
Christoph Schröder, geboren 1973, ist freier Autor und Kritiker, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Zeit, den Deutschlandfunk und den SWR. Er ist Dozent für Literaturkritik.

